Bindungstypen /Attachment Styles: Die Basis für gesunde Beziehungen
Kennst du deinen Bindungstyp oder Attachment Style?
Die Bindungstheorie oder Attachment Theory wurde ursprünglich vom britischen Psychologen John Bowlby entwickelt und beschreibt die Beziehung zu uns selbst sowie zu anderen Personen.
Der Bindungstyp hat einen Einfluss auf alle Beziehungen, die du hast, da es dein Bindungstyp ist.
Es kann sehr hilfreich sein, den eigenen Bindungstyp zu kennen, da es das Verhalten von uns bzw. anderen Personen erklärt und durch unsere eigene Bewusstheit darüber auch etwas daran geändert werden kann.
In diesem Blog Post findest du:
Kurze Übersicht Bindungstypen
Bevor näher auf die Bindungstypen und die Hintergründe eingegangen wird, hier eine kurze Übersicht. Es handelt sich dabei jeweils um ein Spektrum, niemand ist zu 100% einem einzigen Bindungstyp zugehörig, jedoch gibt es gewisse Tendenzen.
Kannst du dich in einem oder mehreren Bindungstyp(en) wiedererkennen?
Bindungstypen kurze Übersicht, eigene Darstellung
Entstehung des Bindungstyps
Der Bindungstyp entsteht in den ersten fünf Lebensjahren und wird geformt durch die emotionale Beziehung der primären Bezugspersonen (Eltern, v.a. Mutter) gegenüber dem Baby / Kleinkind.
Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen gegenüber den Eltern, denn diese könnten wiederum ihren Eltern die Schuld geben und so weiter. Oft wird über Generationen hinweg ein erlerntes Verhalten unbewusst weitergegeben.
Die gute (und schlechte) Nachricht ist: Der Bindungstyp kann sich auch ändern. Das heisst, wenn z.B. jemand ein relativ sicherer Bindungstyp hatte, dann jedoch von mehreren Partnern betrogen wurde, kann dies zu einer Änderung des Bindungstyps führen. Gleichzeitig kann auch ein unsicherer Bindungstyp zu einem sicheren gewandelt werden, indem die dahinterstehenden unterbewussten Verletzungen ausgeheilt werden (siehe dazu weiter unten für mehr Infos).
Wichtig: Jede Person hat auch einen Teil des sicheren Bindungstyps in sich, der gestärkt werden kann (Bindungstypen sind veränderbar).
Die unsicheren Bindungstypen sind gelernte Schutzstrategien, um die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, wenn die Person sich unsicher in einer Beziehung fühlt. Es steckt dabei keine böse Absicht hinter dem Verhalten der jeweiligen Person. Es ist eine unbewusst gelernte Schutzstrategie, die jedoch für Erwachsene Personen nicht mehr so hilfreich ist.
Die 4 Bindungstypen im Detail
Die folgenden Beschreibungen der vier Bindungstypen zeigen eine Auswahl an typischen Dingen auf.
Sicherer Bindungstyp
fühlt sich sicher, um Liebe zu geben und zu empfangen
hat Vertrauen, von anderen Menschen geliebt zu sein und hat eine positive Sicht auf andere Personen
kann Konflikt auf Augenhöhe und sachlich ansprechen ohne in eine Konfrontation zu gehen
kann die Perspektive des Partners einnehmen und hat eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen des Partners
akzeptiert Grenzen von anderen Personen ohne dies persönlich zu nehmen oder etwas daran ändern zu wollen
denkt und spricht innerlich mit sich selbst liebevoll (internalisierter sicherer Bindungstyp mit sich selbst)
Unbewusster Glaubenssatz: Ich bin liebenswert und ich verdiene es, geliebt zu werden.
Kindheit: Hat Liebe und Unterstützung erhalten, konnte sich auf die Bezugspersonen verlassen (gleiche Reaktion bei gleichen Handlungen, z.B. wenn ein Fehler gemacht wurde). Die Eltern erlaubten / unterstützten das Explorieren des Kindes ohne überängstlich zu sein oder Desinteresse zu haben.
Tipp, wenn du Unterstützung dabei möchtest: Das Meditations-Audio “Wohlfühlen mit Menschen” stärkt das Gefühl von innerer Sicherheit in Beziehungen und mit Menschen allgemein.
Unsicher ängstlicher Bindungstyp
Hauptangst: verlassen zu werden / Verlustangst
nehmen alles sehr persönlich und sehen Zurückweisung, auch wenn sie nicht stattfindet
brauchen viel Bestätigung und Aufmerksamkeit von anderen Personen. Aufmerksamkeit = “Liebe”
sind sehr anhänglich und eifersüchtig
sehr emotional und viel Drama, schwanken zwischen Schuld, Vorwürfen, Angst und Frustration
können nicht gut Grenzen setzen, machen Dinge um gemocht zu werden ohne sie wirklich zu wollen (People Pleasing) und haben später Unmut darüber
entschuldigen sich (zu) häufig und viele Selbstvorwürfe
denken zu oft über die Bedürfnisse anderer Leute nach und zu wenig an die eigenen
fühlen sich zu Personen hingezogen, die sie nicht besonders zu mögen scheinen (unbewusster Glaubenssatz: Ich muss mir Liebe verdienen)
negatives Selbstbild und überhöhtes positives Bild des Partners
Lovebombing zu Beginn: hören schnell die Hochzeitsglocken läuten
kann nicht gut alleine sein und möchte viel Zeit in der Beziehung verbringen
bei Konflikt: sehr emotional, starke Selbstvorwürfe und Schuldgefühle
Unbewusster Glaubenssatz: Ich muss mir Liebe verdienen.
Kindheit: Das Kind lernt, bedürftig / “needy” zu werden oder Tantrum zu schlagen um Aufmerksamkeit / Liebe zu erhalten. Eltern waren gestresst oder hatten ein unvorhersehbares bzw. nicht verlässliches Verhalten. Einmal waren sie tröstend, dann wieder wütend etc. Wenn das Kind Aufmerksamkeit möchte, erhält es sie nicht, wenn es sie nicht möchte erhält es zu viel Aufmerksamkeit. Auch überbehütende “Helikopter-Eltern” können zu einem unsicher ängstlichen Bindungstyp führen.
Tipps für den unsicher ängstlichen Bindungstyp:
Wenn du dich getriggert fühlst, schreibe alle deine Gedanken auf ohne darüber nachzudenken. Durch das “Rausschreiben” werden Ängste und unterbewusste Gedankenvorgänge bewusster und werden oft von alleine entkräftet (s. auch den Blog Post Intuitives Schreiben für mehr innere Klarheit)
Allgemeine Tipps: Heile die alten (unbewussten) Verletzungen um die Ängste abzubauen, stärke dein Selbstbewusstsein und gewöhne dich daran Liebe zu empfangen => Coaching für inneren Frieden kann bei all diesem helfen, siehe unten für weitere Infos
Das Meditations-Audio “Inneres Kind Begegnung” begleitet dich dabei, mehr in Kontakt mit deinem inneren Kind zu kommen, um ihm ein sicheres und geborgenes Gefühl zu vermitteln
Unsicher vermeidender Bindungstyp
Hauptthema: Angst vor Bindung, haben kein Vertrauen in andere Personen, sehr misstrauisch, achten sehr auf Anzeichen von Enttäuschung
lassen andere nicht an sich heran, denken (unbewusst), dass sie verletzt werden, wenn sie eine Person zu nahe kommen lassen, haben nicht viele Freunde oder nur sehr oberflächliche
denken, sie sind super unabhängig und benötigen niemanden, was jedoch ein Schutzmechanismus ist. Haben Angst vor Verlust der Unabhängigkeit
sind nicht sehr emotional, unterdrücken / betäuben die eigenen Gefühle. Fühlen sich unbehaglich, wenn andere Personen emotional werden, können nicht gut über Gefühle reden
fühlen sich überfordert bei Konflikt oder starken Gefühlen von anderen und schützen sich durch sich zurückziehen, die andere Person abschneiden und Mauern errichten
haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, um Beziehungen zu beenden /zu ghosten
Bei Konflikt: nicht darüber reden, denken die Schuld liegt bei der anderen Person
denken zu viel über eigene Bedürfnisse nach und zu wenig über die Bedürfnisse anderer
haben viel Scham, v.a. wenn sie kritisiert werden / Vorwürfe erhalten, treibt es sie weiter in den Rückzug
Unbewusster Glaubenssatz: Ich bin ein Versager, ich bin falsch. Wenn ich andere zu nah an mich heranlasse, sehen sie das und mögen mich nicht. Wenn ich jemanden brauche, ist er nicht hier oder es ist nicht konstant und ich kann mich nicht darauf verlassen. Wenn ich ein Bedürfnis äussere, werde ich zurückgewiesen.
Kindheit: Wenig Bindung der Hauptbezugsperson, Mangelnde Nähe der Mutter, konnte sich nicht 100% darauf verlassen und vertrauen, dass Eltern da waren, wenn sie gebraucht wurden. Kind weinen lassen oder zum Schweigen bringen mit “Nein!”. Strenge Erziehung und Inkonsistenz, nicht klar was von den Eltern erwartet werden konnte. Eltern waren nicht auf die Bedürfnisse des Kindes eingestimmt. Daraus entstand die Schutzstrategie, Nähe sowie tiefe Beziehungen nicht zu brauchen und hat nun Angst davor.
Tipps für den unsicher vermeidenden Bindungstyp:
wenn du dich getriggert und überforderst fühlst: kommuniziere dies und sage, dass du Zeit für dich benötigst (statt einfach dich zurückziehen / die andere Person abzuschneiden)
Allgemeine Tipps: Verbinde dich wieder mit deinen Gefühlen: was fühlst du im Körper und welchem Gefühl kannst du es zuordnen (das Gefühlsrad / Feeling Wheel kann hierzu hilfreich sein), Selbstausdruck auf irgend eine Art, z.B. Journal (Gedanken rausschreiben, s. den Blog Post Intuitives Schreiben), Kreativität oder über intuitive Körperbewegungen.
Heile die alten (unbewussten) Verletzungen um die Ängste abzubauen (Coaching für inneren Frieden ist dabei sehr hilfreich, siehe unten für weitere Infos)
Das Meditations-Audio “Inneres Kind Begegnung” begleitet dich dabei, mehr in Kontakt mit deinem inneren Kind zu kommen, um ihm ein sicheres und geborgenes Gefühl zu vermitteln
Unsicher desorganisierter Bindungstyp
wechseln zwischen ängstlichem und vermeidendem Bindungstyp je nach Situation
Wollen Nähe zu anderen Personen und gleichzeitig Angst davor, werden paralysiert und wissen nicht wie sie reagieren sollen
Widersprüchliches Verhalten, Eskalation / Chaos: Manchmal nah und dann plötzlich zurückziehen
haben Schwierigkeiten ihre Gefühle zu regulieren: Starke Stimmungsschwankungen oder überhaupt keine Gefühlsäusserung
sind stark überfordert
fühlen sich von volatilen und missbräuchlichen Partnern angezogen, da dies für sie “normal” = “Liebe” ist
Unbewusster Glaubenssatz: Die Welt ist ein bedrohlicher Ort und Menschen, von denen man abhängig ist, sind Teil dieser Bedrohung.
Kindheit: in traumatischem Umfeld aufgewachsen (Alkoholiker-Eltern, Missbrauch, Vernachlässigung / Zurückweisung, heftige Streits in der Familie etc.). Kind ist von den Eltern verängstigt, entweder von ihrem Verhalten oder weil Elternteil selbst sehr verängstigt ist.
Tipps für den unsicher desorganisierten Bindungstyp: Die traumatischen Ereignisse ausheilen - entweder mit einer Körpertherapie oder über das Unterbewusstsein, z.B. mit Coaching für inneren Frieden.
Ähnliche Beziehungsdynamiken trotz unterschiedlicher Personen
Das in der Kindheit erlebte Bindungsverhalten der Eltern fühlt sich als normal und deshalb “sicher” an, auch wenn es dies nicht war. Dadurch werden als Erwachsene Partner, Freundschaften, Chefs etc angezogen, die ein ähnliches Bindungsverhalten wie die Eltern bzw. ein Elternteil hatten.
Jemand mit einem unsicheren Bindungstyp ist eher bereit, ein unsicheres Bindungs-Verhalten bei der anderen Person zu akzeptieren, da dieses Verhalten durch die eigene Prägung der Kindheit erwartet wird.
Die unsicheren Bindungstypen verwechseln zudem häufig “getriggert werden” mit Verliebtheit, da die Verletzungen / alte Wunden starke Gefühle auslösen können. Jemand mit einem sicheren Bindungsverhalten kann dann hingegen als langweilig empfunden werden, da dort diese hohen Gefühlswellen / Achterbahnfahrten nicht gefühlt werden.
Häufig ziehen sich dadurch die unsicheren Bindungstypen gegenseitig an und triggern sich mit ihrem Bindungsverhalten, was viel Drama kreiert.
Beispiel Dynamik unsicher ängstliche Person mit unsicher vermeidendem Partner
Die Person mit dem ängstlichen Bindungstyp wird schnell emotional, da sie Angst hat, verlassen zu werden. Die Person mit dem vermeidenden Bindungstyp ist von den starken Gefühle des Partners überfordert und zieht sich zurück. Dieser Rückzug löst wiederum die Angst aus, verlassen zu werden.
Und so kann sich diese Spirale ewig fortsetzen, bis eine der beiden Personen sich entscheidet, die eigenen unterbewussten Muster auszuheilen.
Die für mich hilfreichste Art solche Muster und alten Verletzungen auszuheilen, ist beim Unterbewusstsein anzusetzen, da dort die Ursachen liegen (vs. mit dem Verstand versuchen Dinge zu lösen).
Sicheren Bindungstyp entwickeln mit Coaching für inneren Frieden
Sobald man weg von der rationalen Ebene und hin zur unterbewussten Ebene geht, ist es möglich, alte Verletzungen zu heilen, wodurch sich auch automatisch der Bindungstyp zu einem sicheren Bindungstyp hin bewegt.
In meinen Coachings für inneren Frieden steht die Arbeit mit dem Unterbewusstsein im Zentrum, da dort alte Prägungen, emotionale Verletzungen und Schutzmechanismen verankert sind. Gleichzeitig wird die Verbindung zu deiner inneren Essenz und Seele gestärkt, in der du bereits jetzt völlig heil bist und die von innen heraus die Heilung von emotionalen Verletzungen unterstützt. Häufig gibt es auch abgespaltene Seelenanteile aus der Kindheit, die geheilt und wieder integriert werden dürfen.
Ich biete die Coachings online und in Zürich an, bei Interesse findest du hier weitere Infos:
Passende Meditations-Audios
Folgende Meditationen wurden im Blog Post erwähnt und können hilfreich sein, unabhängig davon welchen Bindungstyp du hast:
✔ Setze dich mit deinem inneren Kind auseinander für mehr inneren Frieden im Jetzt (das innere Kind prägt viele unserer automatischen Reaktionen, siehe z.B. inneres Kind allgm. oder inneres Kind bei Beziehungen / Bindungstypen)
✔ Begegne und verbinde dich deinem inneren Kind, so dass es sich sicher, voller Vertrauen und liebenswert fühlt
✔ Nimm dein inneres Kind in seiner Essenz wahr
✔ Erhalte eine Botschaft deiner inneren Weisheit zum inneren Kind
Dauer: ca. 19 Min.
Nach dem Kauf erhältst du eine Email mit dem Download-Link für die Audio-Datei.
✔ Fühle dich wohl und in dir zentriert, wenn du mit anderen Menschen bist
✔ Stärke das innere Sicherheitsgefühl und Urvertrauen von dir und deinem inneren Kind (das Sicherheitsgefühl des inneren Kindes wirkt sich stark auf dein jetziges Gefühl mit Mitmenschen aus, s. auch Bindungstypen)
✔ Fühle dich in deinem Körper verankert, um entspannter, gelassener und authentischer mit anderen Menschen sein zu können
✔ Erhalte eine Botschaft deiner inneren Weisheit
Dauer: ca. 20 Min.
Nach dem Kauf erhältst du eine Email mit dem Download-Link für die Audio-Datei.
Dieses Audio hatte früher den Titel “Sicher in Beziehungen” - bitte prüfe, dass du dieses nicht bereits erworben hast :)
Dich könnte auch interessieren:
Emotionale Wunden / Traumata: Wie du sie heilen kannst und 3 Missverständnisse diesbezüglich
Trennung verarbeiten und loslassen auf emotionaler, mentaler & seelischer Ebene
Inneres Kind oder: wie wir durch unsere Vergangenheit beeinflusst werden
Abgespaltene Seelenanteile: wie es dazu kommt und wie sie integriert werden können